10 Anmerkungen zur Ursula-Schule Duderstadt

 

Der Kreistag steht in der Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler in seinem Schuleinzugsgebiet. Dieser Verpflichtung wird er ohne jede Einschränkung nachkommen. Der Kreistag steht allerdings nicht in der Pflicht, eine private Schule vor dem Aus zu retten, deren dauerhafte Existenz er nie als gesichert angesehen hat und vor deren Einrichtung große Teile des Kreistags ausdrücklich gewarnt hatten. Die Verantwortung für die Ursula-Schule liegt einzig und allein beim Bistum Hildesheim.

 

2. Dass sich die Situation in Duderstadt durch die Abwicklung der Schule erkennbar verändern wird, hat der Kreistag durchaus im Blick. Mangelndes Verantwortungsbewusstsein eines privaten Trägers darf aber nicht dazu führen, dass ein verantwortlich handelnder Landkreis unkoordinierte Maßnahmen einleitet. Der Kreistag wird sich im Rahmen seiner Gesamtverantwortung darüber Gedanken machen, wie die Situation in Duderstadt im Schließungsfall neu geordnet werden kann. Dieser Prozess beginnt heute mit der Einbringung des Antrags der Mehrheitsgruppe zur Elternbefragung.

3. Der Kreistag hat im Rahmen seiner Gesamtverantwortung zu bedenken, dass die Schulentwicklung in der Folge der Kreisfusion und wegen der demografischen Entwicklung insgesamt überarbeitet und in Teilen neu formuliert werden muss. Die Schülerzahlen entwickeln sich sehr unterschiedlich und sinken fast überall. Die Neuordnung der Schullandschaft wird daher ein Schwerpunkt der Arbeit des Kreistags noch in diesem Jahr werden.

4. Völlig inakzeptabel für uns ist die in Dauerschleife vorgebrachte Behauptung, es handele sich bei der Ursula-Schule um die einzige IGS im östlichen Landkreis. Der „östliche Landkreis“ ist bei dieser Sprachregelung der ehemalige Landkreis Osterode. Meine Damen und Herren, stellen wir uns mal einen Augenblick vor, wir wollten den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern aus Badenhausen, Gittelde und Bad Grund erklären, dass sie künftig eine IGS ohne nennenswerten Anteil an Gymnasiasten und ohne Oberstufe in Duderstadt besuchen sollen, wenn sie diese Schulform bevorzugen. Ungläubiges Erstaunen wäre wohl die mildeste Reaktion.

5. Das Argument der Ursula-Befürworter, man solle doch die Eltern einmal fragen, läuft nun aber vollkommen ins Leere. Jedes Jahr haben die Grundschuleltern im Raum Duderstadt für sich die Frage zu beantworten, welche Schule sie denn für ihre Kinder ab der 5. Klasse wünschen. Die Antwort ist so eindeutig, dass sie uns genau das Problem beschert, vor dem wir heute stehen. Es ist eine Abstimmung mit den Füßen… Und das Ergebnis lässt keine Zweifel zu. Ich verweise auf die Zahlen der Kreisverwaltung vom 30. November 2016. Von 278 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 besuchen auf den Einzugsbereich von Duderstadt berechnet 244 die öffentlichen Schulen, 34 die Ursula-Schule – das sind 13,9 %. Deutlicher kann eine Elternbefragung nicht ausfallen. Etwa ein Drittel der Ursula-Schüler kommt nicht aus dem Einzugsbereich Duderstadt, und hier ist nach unserer festen Überzeugung auch keine nennenswerte Nachfrage zusätzlich zu generieren. Eine Ausweitung der Schülerzahl ginge also nur über die Schülerschaft der Stadt Duderstadt und gefährdete dadurch andere Schulen vor Ort.

6. Darauf zu spekulieren, dass der Landkreis im Bereich des Altkreises Osterode die Einzugsbezirke so schneidet, dass sie in besonderer Weise eine neu zu gründende IGS in Duderstadt stützen, mögliche Standorte im Altkreis Osterode aber gefährden, ist ein unwürdiges, bildungspolitisch sogar ein unanständiges Verlangen. Es wäre nichts anderes, als das Verlangen nach dem Abschluss eines schulpolitischen Vertrags zu Lasten Dritter.

7. Es bleibt vorerst abzuwarten, ob tatsächlich noch ein 5. Jahrgang eingerichtet werden kann – oder ob die Schülerzahl erneut nicht ausreicht und das Bistum dann die Korrektur der Korrektur verkündet. Die Schüler und Schülerinnen jedenfalls, die jetzt wohl auch durch die Empfehlung des Duderstädter Stadtrates in Klasse 5 einzuschulen wären, können ohne jedes Problem in das vorhandene öffentliche Schulsystem in Duderstadt und in Gieboldehausen eingegliedert werden.

8. Wir werden heute mit unserem Kreistagsbeschluss eine Umfrage bei den Grundschuleltern im ganzen Landkreis anregen. Diese Umfrage ist nicht gleichzusetzen mit einer Elternbefragung nach Schulgesetz zur Einrichtung von Gesamtschulen; sie dient allgemeineren Zwecken. Wenn diese Ergebnisse Ende des Jahres vorliegen, wird der Kreistag daraus zu Beginn des Jahres 2018 die notwendigen Schritte ableiten und die Schulentwicklung anpassen.

9. Eine wirkliche IGS in Duderstadt, die einen solchen Namen auch verdient, kann nur dann angedacht werden, wenn dreierlei Voraussetzungen erfüllt sind: 1. Die Ursula-Schule in der jetzigen Form läuft aus – und zwar ohne irgend eine Bedingung oder Zusage seitens des Landkreises. 2. Die Neugründung einer IGS mit Perspektive in Duderstadt macht nach unserer Einschätzung nur dann Sinn, wenn die neue, öffentliche IGS die vor Ort bestehende Dreigliedrigkeit ersetzt und alle Schulen in die Gesamtschule eingebracht werden. 3. Das allerdings müsste im Sinne einer gemeinsam verantworteten Schulpolitik auch der Stadtrat Duderstadt so wollen, in dem dieser dem Kreistag in einem Beschluss empfiehlt, eine IGS in Duderstadt einzurichten. Der Stadtrat hat sich einstimmig für die weitere Aufnahme von 5.-Klässlern und damit für den vorläufigen Fortbestand der Ursula-Schule eingesetzt; jetzt könnte er dem Kreistag zusätzliche Entscheidungshilfen an die Hand geben. Wenn es denn der Zweck des Beschlusses war, eine IGS vor Ort zu halten, dann ist jetzt der Stadtrat gefordert, dies auch klar und unmissverständlich zu formulieren.

10. Die heutigen Antragsparteien sind über ein Mitglied der Fraktion Linke/Piraten und über die FDP-Fraktion mit Herrn Linkhorst im Duderstädter Stadtrat vertreten. Warum sind diese Herren und ihre Fraktionen dort bisher eigentlich nicht weiter tätig geworden? Meine Fraktion jedenfalls wäre für den Fall einer positiven Begleitung durch den Stadtrat sehr gern bereit, sich dem Thema erneut zu widmen.

In der KIZ-online (der Kirchenzeitung des Bistums) stand am 1.3.2017 zu lesen:

„Reinhard Dierkes, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, hält eine Übernahme durch den Landkreis … für unwahrscheinlich“.

„Nach dem Abschluss der letzten verbleibenden Klasse wird die St.-Ursula-Schule geschlossen, …erwartet CDU-Fraktionschef Dr. Harald Noack.“

Wie gesagt: unter dem Datum des 1. März. Und genau dort stehen wir auch heute. Beide eben Genannten nehmen nicht für sich in Anspruch, über eine besondere prophetische Begabung zu verfügen. Es ist das Ergebnis unvoreingenommenen schulpolitischen Nachdenkens - mehr nicht.

 


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