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Antrag zum Ausschuss für Finanzen und öffentliche Einrichtungen (AFöE) am 28.01.2021
Hier: TOP 13 zum 1. Nachtragshaushalt

Der AFöE möge empfehlen:

Zur Stärkung von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Widerstandskraft (Resilienz) bei Kindern und Jugendlichen im Umgang mit plötzlichen, ungekannten, undurchschaubaren und folglich insbesondere psychisch sehr stark belastenden Situationen wird ein Fonds in Höhe von 200.000 Euro eingerichtet. Mit diesem Fonds werden aktive und konzeptionelle Angebote und Projekte zur präventiven Stärkung der Resilienz von Kindern und Jugendlichen mit in der Regel bis zu 10.000 Euro im Einzelfall gefördert. Zusätzlich können Familien und Alleinerziehende in besonderen Notlagen für ihre Kinder Einzelfallhilfe zur Teilhabe an elektronischen Kommunikations- und Lernformen (Homeschooling) bis zu einer Höhe von 1000 Euro erhalten. Gefördert werden können ebenfalls Unterstützungsleistungen für Kinder und Jugendliche zur Einrichtung von und Schulung im Umgang mit Hard- und Software.

Anträge für Angebote, Projekte und Einzelfallhilfen sind über die Familienzentren an die Verwaltung des Landkreises zu richten. Schulen, Familienhilfe und Kinderbetreuungseinrichtungen sollen explizit aufgefordert werden, Bedarfe zu melden, sobald sie feststellen, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu elektronischer Kommunikation und Lernangeboten haben. Die Verwaltung entscheidet über die Vergabe von Fördermitteln an Angebote und Projekte anhand der Kriterien Präventionsorientierung und Resilienzstärkung und berichtet regelmäßig an den Jugendhilfeausschuss über den Stand der Vergabe. Bei Anträgen, die über 10.000 Euro hinausgehen, ist der Jugendhilfeausschuss in die Bewilligung einzubeziehen. Dabei sind Mittelbestand, Mittelabflussbewegung und die weitere Bedarfserwartung zu berücksichtigen.

Begründung
Die gegenwärtige Pandemie hat uns eindringlich vor Augen geführt, dass insbesondere jüngere Kinder, aber auch Jugendliche unter den Einschränkungen des sozialen Zusammenlebens und ihres Kontakts und enger Beziehungen zu gleichaltrigen Freunden Spielkameraden und Mitschülern leiden. Als Gradmesser kann hierfür die „Nummer gegen Kummer“ genommen werden, von der das Kinder- und Jugendtelefon Göttingen über den November und Dezember berichtet, dass die Auslastung durch Anrufe von Kindern geradezu explosionsartig angestiegen ist, dass an Heiligabend und über die Weihnachtsfeiertage die Telefone in Sonderschichten ständig bedient werden mussten.

Offensichtlich müssen wir über die aktuellen starken psychischen Belastungen hinaus auch mit erheblichen Spätfolgen der sozialen Isolation rechnen, die nicht nur das Sozialverhalten, sondern auch die schulischen Leistungen und damit die Bildungschancen vieler Kinder und Jugendlicher in erheblichem Maß negativ beeinträchtigen werden.

Wir können auch den Kindern und Jugendlichen leider nicht die verordneten Einschränkungen ersparen. Aber wir können viel dafür tun, ihre Widerstandskraft gegen ungewohnte, unbekannte und bedrohliche Situationen aktuell und insbesondere auch präventiv für kommende Krisen zu stärken. Zu den bedrohlichen Situationen zählen wir dabei nicht nur die Ansteckungsgefahr mit Viren und die Vereinsamung, sondern insbesondere auch Handlungen der Kindeswohlgefährdung.

Resilienz nun wird als das bezeichnet, was uns während und nach starkem Stress, besonders auch in Krisen, mental gesund bleiben lässt. Damit werden wir widerstandsfähiger gegenüber Krisensituationen und den Anforderungen, die unbekannte und überraschende Entwicklungen an uns stellen. Die eigene Resilienz stärken hilft dabei, diesen inneren Schutz zu festigen und die eigene Flexibilität zu erhöhen. Resilienz ist ein Schutzschild gegen schädigende Einflüsse, die durch Stress verursacht werden und sie ist in jeder Phase des Lebens nützlich und wichtig.

Vor diesem Hintergrund sollen alle Akteure im Landkreis Göttingen, die sich mit präventiven Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz von Kindern und Jugendlichen im weitesten Sinn beschäftigen, aufgefordert werden, entsprechende Aktivitäten und Angebote über den Fonds zu beantragen. Darüber hinausgehend soll auch darüber nachgedacht werden, wie Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz konzeptionell in die Arbeitsprogramme im Bereich der Frühen Hilfen und des Kinderschutzes einbezogen werden können.

gez. Dierkes / gez. Worbes / gez. Dinges