Sehr geehrter Herr Minister,
lieber Grant Hendrik,

ich schreibe Ihnen hier in meiner Eigenschaft als stellvertretende Landrätin des Landkreises Göttingen im Zusammenhang mit der Radwegebrücke an der L 568 über den Wendebach. Sie waren damit schon im letzten Jahr in Korrespondenz mit dem Bürgermeister der Gemeinde Friedland und haben eine Übergangslösung mit Hinweis auf Prüfungen des NLStBV verworfen.

Die inzwischen auf Initiative des Landrates und des Bürgermeister Friedland installierte Behelfsbrücke soll nun am 13.04.2026 abgebaut werden. Dazu hat die Verwaltung des Landkreises Göttingen, auf das nicht rechtmäßige Verfahren zum Bau dieser Behelfsbrücke in sehr formaler Begründung und Sprache verwiesen, die in der öffentlichen Wahrnehmung auf Unverständnis und Ablehnung stoßen wird.

Da liegt m.E. der Kern des Problems. Diese Behelfsbrücke, wenn nötig, noch so aufzurüsten, dass sie weiteren technischen Anforderungen genügt, kann niemals das Problem sein. Schwerwiegend ist vielmehr, dass in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich wird, wie der Staat auf unterer Ebene formal eine für alle plausible Lösung verhindert, schlicht das Interesse der Bürgerinnen und Bürger ignoriert und damit in ihren Augen versagt. Eine in meinen Augen inadäquate Umleitung für zwei Jahre als Lösung herauszustellen, steigert nur die öffentliche Verdrossenheit. Darüber hinaus fürchten die Radfahrenden auf dieser Strecke permanent um ihre Sicherheit. Die Behelfsbrücke ist und bleibt die Lösung.

Das NLStBV, eine der bürgerfernsten Behörden des Landes, als Kronzeugen und einzigen Entscheidungsträger heranzuziehen, wird der Sache nicht gerecht. Wir haben genügend Fachleute und Ingenieurbüros in der Region, die helfen können. Im Übrigen bedient sich auch das NLStBV üblicherweise solcher Fachleute.

Ich schreibe diese Gedanken auch, weil ich mir Sorgen um die Entwicklung unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft mache. Kommunalpolitik lässt die Menschen am direktesten spüren, was vor ihrer Haustür passiert.

So wie der Fall Radwegebrücke über den Wendebach von Verwaltungseinheiten formal ohne Fingerspitzengefühl und Wahrnehmung des regionalen Interesses gehandhabt wird, ist er vor allem geeignet Menschen aus dem demokratischen Spektrum zu vertreiben und den Demokratiefeinden zuzuführen.

Ich hoffe sehr, dass wir noch rechtzeitig eine pragmatische wie technisch vertretbare Lösung finden und die jetzige Behelfsbrücke nicht beseitigt wird.